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Kultur

Festival in Tartu (c)Fremdenverkehrsamt Estland

Festival in Tartu
©Fremdenverkehrsamt Estland

Fremdherrschaften haben die estnische Kultur deutlich mitgeprägt. Architektur, Kunst und Brauchtum blieben davon nicht unberührt. Trutzige Ordensburgen, orthodoxe Kirchen mit Zwiebeltürmen, schmucke Bäderarchitektur, eine von verschiedenen Nationen beeinflusste Küche und nicht zuletzt der gigantische Sängerfestplatz in Tallinn – all dies ist Ausdruck der wechselvollen Geschichte.

Die Sängerfeste (auf Estnisch: Laulupidu) sind ein nicht wegzudenkender Aspekt der estnischen Kultur. Alle fünf Jahre verwandelt sich der Sängerfestplatz in Tallinn seit 1928 zu einer Bühne für ein Musikfestival nach altem Brauchtum. Tausende Menschen pflegen die Tradition und drücken damit ihr nationales Bewusstsein aus. Beim letzten Sängerfest 2009 waren viele tausend Künstler beteiligt. Seinen Ursprung hat die Tradition in dem ersten Sängerfest in Tartu 1869, als die Esten das erste Mal für ihre Unabhängigkeit sangen. Das nächste Sängerfest findet vom 4. bis 6. Juli 2014 statt – unbedingt eine Reise wert!

Ein weiterer Ausdruck estnischer Kultur ist das Kunsthandwerk. Die häufig als Souvenir angebotenen Waren aus Wolle, Textil, Ton oder Holz spiegeln estnische Traditionen wider. Die Einwohner der Insel Muhu etwa sind für das Weben traditioneller Kostüme bekannt, die auch heute noch bei besonderen Ereignissen getragen werden. Oder die sogenannten Bärenhosen: Dies sind bunte wollene Überhosen für Kinder, damit sie den kalten Wintern trotzen können. Die traditionellen Strickwaren, ihre Muster und Farben finden heute auch Eingang in die aktuelle Ethno-Mode.

So fortschrittlich Estland politisch und gesellschaftlich ist, so ist das kleine Land dies auch kulturell. Es wird nicht nur an alten Bräuchen festgehalten, sondern auch eine „moderne Kultur“ gepflegt. Festivals für moderne Musik, Kunstgalerien, Theater und Co. sind im ganzen Land präsent. Wer sich für Aktmalerei begeistert, kann in Haapsalu die Galerie des Künstlers Evald Okas besuchen. In Pärnu zeigt das Chaplin Art Center im ehemaligen Hauptquartier der Kommunistischen Partei moderne Exponate von Künstlern, die einen Hang zum Provokanten haben. Das Kondas-Zentrum in Viljandi präsentiert naive Kunst.

Zum Pflichtprogramm für Kunstliebhaber und an estnischer Kultur Interessierte gehört ein Besuch des Kunstmuseums KUMU im Tallinner Viertel Kadriorg. Das futuristische Gebäude wurde 2006 eröffnet, 2008 wurde das Museum zum besten europäischen Museum des Jahres gewählt. Gezeigt werden klassische, aber auch zeitgenössische Exponate.

Festivals, Konzerte, Ausstellungen – kulturelle Veranstaltungen spielen eine große Rolle in dem baltischen Staat. Es lohnt sich, den Veranstaltungskalender zu durchstöbern und vielleicht sogar seinen Urlaub daran anzupassen, um dem ein oder anderen Highlight beiwohnen zu können.

Für Literaturfans bietet sich ein Besuch in den beiden größten Städten Estlands an. In Tallinn findet jeden Mai das Literaturfestival „HeadRead“ statt, in Tartu im gleichen Monat das „Prima Vista Festival“. Zudem veranstaltet der Estnische Schriftstellerverband in beiden Städten wöchentlich Lesungen. Jazzfreunde können beim jährlich stattfindenden Festival „Jazzkaar“ der estnischen Jazz-Elite lauschen. Klassische Musik wird auf dem „Brigitta Festival“ in im St.-Brigitta-Kloster in Tallinns Außenbezirk Pirita dargeboten. Nähere Informationen zu Kulturveranstaltungen in Estland finden Sie beim estnischen Fremdenverkehrsamt.