Gutshöfe

Gut Palmse, Lahemaa Nationalpark, Estland

Gut Palmse, Lahemaa Nationalpark, Estland

Guts- und Herrenhäuser sind architektonische Wahrzeichen Estlands. Sie sind vor allem im Norden des Landes allgegenwärtig und stehen für eine Zeit, als hier noch viele Deutschbalten lebten. Die Ursprünge der Gutshöfe reichen bis ins Mittelalter zurück, als durch den Orden errichtete Landgüter, ihre wahre Blütezeit begann aber erst im 18. Jahrhundert.

Klassizistische und barocke Gebäude, aber auch Häuser im Jugendstil liegen über ganz Estland verteilt. Häufig handelt es sich um einen großen Gebäudekomplex, bestehend aus dem Haupthaus und zahlreichen Wirtschaftsgebäuden, Schnapsbrennereien, Orangerien, Kavaliershäusern usw.

Der Niedergang der Gutshöfe begann mit den Aufständen von 1905 – Adelige wurden vertrieben und getötet, einige Herrenhäuser niedergebrannt – und endete mit der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Bodenreform von 1919. Gutsbesitzer wurden im Zuge der staatlichen Neubildung enteignet. Viele der ursprünglich mehr als 1.000 Höfe verfielen.

Die Gutshöfe von Vihula, Palmse, Sagadi, Kolga und Pädaste auf der Insel Muhu sind gute Bespiele für heutzutage meist schön restaurierte Anwesen, die nun häufig Museum, Restaurant, Hotel oder Besucherzentrum eines Nationalparks sind. Gerade Palmse im Lahemaa Nationalpark ist ein Aushängeschild und unbedingt einen Besuch wert. Schon zu Sowjetzeiten wurde an der Erhaltung des Gebäudes gearbeitet – ein seltener und glücklicher Umstand. Eine Übernachtung oder auch einen ganzen Urlaub auf einem Gutshof zu verbringen, ist eine stilvolle Variante, in die estnische Geschichte einzutauchen. Zumal sie häufig in eine wunderschöne Landschaft eingebettet liegen.