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Geschichte

Estland erlebte eine wechselvolle Geschichte. Zahlreiche Völker und Nationen haben sich das Gebiet im Laufe der Zeit Untertan gemacht: Wikinger, Deutsche, Schweden, Sowjets – sie haben das kleine Land besetzt, unterdrückt und dabei deutliche Spuren hinterlassen.

Erste Besiedelungen auf estnischem Gebiet finden sich bereits 9.000 v. Chr. Im 8. bis 12. Jahrhundert n. Chr. trieben die Wikinger ihr Unwesen. Ab dem 13. Jahrhundert übten Dänen und Deutsche großen Einfluss aus: Sie versuchten die Esten zum Christentum zu bekehren. Der Schwertbrüderorden und der Deutsche Orden haben mit den zahlreichen, teils noch erhaltenen Ordensburgen Zeitzeugen dieser Christianisierung hinterlassen.

Von 1558 bis 1582 tobte der Livländische Krieg – Schweden, Polen, Dänemark und Russland streiten sich um das Gebiet an der Ostsee. Die Macht ging an Schweden, ab dem 16. Jahrhundert hatte das skandinavische Volk das Sagen. Von 1700 bis 1721 stritten im Nordischen Krieg Russland, Dänemark-Norwegen, Polen-Litauen und Sachsen um die Vorherrschaft im Ostseeraum und griffen Schweden an. Russland gewann die Vormacht. Die estnische Bevölkerung wurde durch diesen Krieg stark dezimiert, vermutlich nur etwa 100.000 Esten überlebten.

Im Freiheitskrieg (1918 bis 1920) versuchte Estland von Russland mehr Autonomie zu erhalten. Im Februar 1920 kam es zum „Vertrag von Tartu“ und damit zur Unabhängigkeit Estlands. Zwischen 1939 und 1940 wurde die deutschbaltische Bevölkerung auf Grundlage des Hitler-Stalin-Paktes nach Deutschland umgesiedelt. Ab 1940 gehörte Estland zum Gebiet der UdSSR. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde Estland zwischen 1941 und 1944 erneut von den Deutschen besetzt. Darauf folgte eine erneute Besetzung durch die Rote Armee, die Zeit als Sowjetrepublik begann. Deportationen, Repressalien und Russifizierung gehörten zum Alltag.

In Estland formierten sich im Laufe der Besetzungen durch andere Nationen immer wieder Unabhängigkeitsbewegungen. Singen gehörte dabei zur estnischen Form des Protestes. 1869, zur Zeit der russischen Besatzung, fand in diesem Zusammenhang in Tartu das erste Sängerfest statt. Sängerfeste sind Ausdruck von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, das Anstimmen traditioneller Volkslieder ein Zeichen der Identifikation. Zur Zeit der Sowjetunion war das Singen der baltischen Hymnen verboten. Die „Singende Revolution“ führte ab 1988 zur Loslösung von der Sowjetunion. 1989 bildeten zwei Millionen Menschen eine Kette von Tallinn über Riga nach Vilnius und protestierten für die Unabhängigkeit der Baltischen Staaten. Diese Proteste und Bestrebungen wurden von den Sowjets nicht unbeachtet gelassen: Militärs schritten 1991 ein und es kam zu teils blutigen Auseinandersetzungen mit der zivilen Bevölkerung im gesamten Baltikum. Im selben Jahr wurde die Unabhängig endlich erreicht.

2004 trat Estland sowohl der NATO als auch der Europäischen Union bei. Seit 2011 gehört das Land zudem zur Eurozone.